Entwicklung des Kinder- und Jugendtennis ?
Früher war Kindertennis vor allem eines: Erwachsenentennis in klein.
Gespielt wurde mit schweren Holzschlägern und harten Bällen auf dem Großfeld – verkürzte Schläger waren die Ausnahme, Kleinfeld und Kinderturniere galten als „halbes Tennis“. Erst mit dem Aufstieg des Kinder- und Jugendtennis in den 1970er- und 80er-Jahren entstanden kleinere Felder, leichtere Schläger und langsamere Bälle – und damit die Grundlage für modernes Kindertennis, wie wir es heute kennen.
In den 1970er-Jahren setzte ein rascher Sinneswandel ein!
Kürzere und leichtere Schläger kamen auf den Markt, Holz wurde zunehmend durch Kunststoff und Metall ersetzt. Mit Schaumstoffbällen und später den weicheren Lernbällen aus Schweden – vergleichbar mit der heutigen Stufe „Orange“ – wurde der Einstieg deutlich erleichtert. Kleinfelder entstanden, der Verband Deutscher Tennislehrer und kurz darauf der Deutsche Tennis Bund schufen Regeln und Maße.
Heute sind Kleinfeld, Lernbälle und Gruppentraining aus dem Kindertennis nicht mehr wegzudenken: Technik und Taktik werden spielerisch vermittelt, Spaß und Motivation stehen im Mittelpunkt.
Methodische Grundsätze (spielorientiert und induktiv / technikorientiert und deduktiv) damals und heute
Bis in die 1960er-Jahre galt reines Vormachen und Korbzuspiel von der Grundlinie als Lehrmeinung.
Seit den 1980er-Jahren hat sich das grundlegend geändert.
Heute ist spielorientiertes und induktives Lernen im Beginner Bereich aller Altersklassen Standard – auch Erwachsene lernen die ersten Schritte mit Methodik Bällen der Stufe „Rot“ oft leichter und schneller. Ein gut dosiertes Korb- oder Wurfzuspiel des Trainers behält jedoch seine Berechtigung, vor allem bei Distanzregulation, Timing, Ballkontrolle und beim Einüben von Spielzügen – und sogar im Profitraining.
Entscheidend ist die Mischung: spielerisch und induktiv als Grundlage, technikorientiert und deduktiv gezielt dort, wo Wiederholung und Feinabstimmung gefragt sind.
War Großgruppentraining für Anfänger in den 1950er- und 1960er-Jahren wegen der technikorientierten Lehrmeinung noch undenkbar, gehört es heute selbstverständlich zum Anfängerbereich: Im Kindergarten- und Schultennis lassen sich problemlos 20 Kinder und mehr gemeinsam mit Lernbällen und Lernschlägern beschäftigen.
Mit zunehmendem Können sollten die Gruppen kleiner werden, ergänzt durch Einzeltraining für talentierte Kinder mit Leistungsambitionen. Kolonnentraining mit langen Wartezeiten und reinem Ballzuspiel hat dagegen ausgedient.
Miteinander und gegeneinander zu spielen ist heute unverzichtbar – wird aber wegen schulischer Belastung, der Konkurrenz anderer Sportarten und fehlender Vereinsangebote seltener praktiziert als in den 1980er- und 1990er-Jahren.



Dirk Ludwig,