Trainerarbeit

Trainerarbeit aus Vereinssicht – eine zukunftssichernde Arbeit für jeden Verein

Vortrag anlässlich des 18. DTB/VDT - Bundeskongress v. 7.1.-9.1.2005

Auf dem DTB/VDT - Bundeskongress 1999 hat der TC Merzig mit einem Vortrag „Trendwende durch mitgliederorientiertes Denken und Handeln” über seine erfolgreiche Mitgliedergewinnung und Vereinsarbeit berichtet.

Wer sich auf seinen Erfolgen ausruht, hat die Zukunft schon verspielt. Wie bei allen gesellschaftlichen Entwicklungen normal unterlag auch unser Verein einer zyklischen Wellenbewegung.

Abbildung 1

Nach einer Phase großer Zuwachsraten sind stagnierende oder gar rückläufige Mitgliederzahlen üblich. Eine solche Entwicklung ist kein Unglück, sondern eine Herausforderung zum Handeln. Sie muss zum kritischen Infragestellen des Altgewohnten und zur erhöhten Leistungsbereitschaft des Vorstandes und der Trainer führen.

Der Verein hat die Herausforderung angenommen und mit einem Bündel von Initiativen den Abwärtstrend schnell abgewehrt. Das Initiativbündel umfasst Serviceleistungen, die alle Altersklassen ansprechen. Im Mittelpunkt aller Initiativen stehen die Kinder und Jugendlichen, denn sie sind durch anziehendes und abwechslungsreiches Training leicht zu motivieren.

Die wichtigste und erfolgreichste Initiative war die Verbesserung der Trainingsarbeit mit der Gründung einer Tennisschule. Sie wird geleitet von einem jungen und engagierten Trainer. In sehr kurzer Zeit hat er acht jungendliche Mitglieder im Alter von 18 bis 27 Jahre für die Trainingsarbeit der Tennisschule begeistern können. Alle sind ausgebildete Trainer/innen, die elementare Voraussetzung für ein funktionierendes Training. Mit ihrem jugendlichen Idealismus im Umgang mit den Mädchen und Jungen vermitteln sie gleichzeitig ein drittes Zuhause auf unserer Tennisanlage. Allerdings können sie nicht die Rolle eines Reparaturbetriebes für gesellschaftliche Defizite übernehmen. Sie sollten versuchen, die motorisch Begabten sowie die sportlichen Interessen an sich zu binden und so die Grundlage für eine Mitgliedschaft bewirken.

Die ideen- und abwechslungsreiche Trainingsarbeit hat sehr schnell die Neuzugänge an jungen Mitgliedern verbessert. (Abb. 2)

Die Erfahrung hat gezeigt, dass begeisterte Jugendliche sehr oft ihre Eltern, Großeltern, Verwandte oder Bekannte, sofern sie Noch-Nicht-Spieler sind, als Mitglieder dem Verein ohne zusätzlichen Werbeaufwand zuführen. Jeder Begleiter eines Jugendlichen ist ein potentieller Kandidat, um ihn für das Tennisspiel bzw. für den Verein zu gewinnen. Sind sie einmal auf der Tennisanlage, sollte diese Gelegenheit zur Mitgliederwerbung genutzt werden.

Abbildung 2

Die Trainer/innen der Tennisschule haben eine wichtige Schlüsselstellung. Sie sind die Speerspitze im Markt. Sie müssen und sollen das Produkt Tennis mit ihrer Trainingsarbeit vermitteln. Sie sollen überzeugen, begeistern und motivieren.

Regelmäßig veranstaltet unsere Tennisschule am Wochenende kostenloses Schnuppertennis für alle Altersklassen. Nach kurzer Zeit wird der überwiegende Teil Mitglied. Ein Beweis, wie wirkungsvoll diese Veranstaltung ist. Kümmert sich der Verein um die Neuen, dann ist eine dauerhafte Mitgliederbindung so gut wie sicher.

Die Arbeit für die Trainer ist zweifellos schwerer geworden, weil die Menschen selbstbewusster, sensibler und kritischer geworden sind und nicht mehr die gleiche Bindung an den Sport haben. Der Trainer muss mit sehr spezifischen Ansprüchen rechnen und sollte ihnen deshalb mit hinreichender Kompetenz entgegen treten. Er befindet sich heute in einer Situation, in der die Vereine vielfache Konkurrenz durch die Trendsportarten und die privaten Anbieter bekommen haben. Die Trainer/innen müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass sie für den Erfolg sowie den Misserfolg voll verantwortlich sind. Sie vermitteln zwischen den Mitgliedern, den Noch-Nicht-Mitgliedern und dem Verein und haben insofern eine zentrale Moderatorenfunktion.

Die Trainer/innen und der Verein sind darauf angewiesen, von ihrem Umfeld anerkannt zu werden. Wenn bei der Nennung des Trainernamens oder der Tennisschule und des Vereinsnamens spontan an Kompetenz, gute Qualität und Zuverlässigkeit gedacht wird, dann wahrscheinlich, weil über einen längeren Zeitraum eine wirkungsvolle und nützliche Arbeit geleistet wurde. Trainingsarbeit muss sich wie bei allen Produkten am Nutzen für den Trainingsteilnehmer orientieren. Ohne eine Nutzenorientierung kann man vielleicht nur Zufallsergebnisse erzielen.

Die Trainer/in müssen das Leistungsangebot nach den Bedürfnissen der Trainingsteilnehmer ausrichten und nicht nach dem was wir wollen. Dabei sind, wie bereits erwähnt, Qualität und Zuverlässigkeit zwei wichtige Erfolgsmultiplikatoren. Sie bieten die Chance sich gegen den Wettbewerb abzuheben und die eigene Professionalität wirkungsvoll unter Beweis zu stellen. Fehlende Qualität und Zuverlässigkeit wirken zerstörerisch. Jeder Trainer und jede Trainerin sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass es das Schicksal gut mit ihrer Arbeit meint und man glaubt, die Probleme lösen sich von selbst oder es wird schon irgendwie gut gehen.

Abbildung 3

Selbstverständlich steht der Verein voll hinter der Tennisschule und deren Trainer. Er hat mit einer bestmöglichen Infrastruktur für die Erledigung ihrer Trainingsarbeit gesorgt. So stehen unserer Tennisschule: 11 Plätze, 2 Kleinfeldplätze, eine 3-Platzhalle, ein Rasenbolzplatz und ein Kinderspielplatz zur Verfügung. Als Gegenleistung erwartet der Verein, dass die Tennisschule sich mit dem Verein identifiziert, ihn bei der wichtigen Aufgabe der Mitglieder-Findung und –Bindung unterstützt und sich für die sportlichen Interessen aller Mitglieder einsetzt.

Die Eltern und Angehörigen der Kinder und Jugendliche entlasten die Trainer/innen mit Betreuungsdiensten und bilden damit die Schnittstelle zwischen der Tennisschule und dem Verein.

Unsere Tennisschule hat die an sie gestellte Aufgabe mit Erfolg für sich und den Verein bewältigt. Von den 174 Jugendlichen werden ca. 70% regelmäßig einmal pro Woche trainiert. Davon trainieren etwa 2/3 zwei- oder dreimal pro Woche. 10 werden wegen ihrem Leistungsfortschritt noch öfter trainiert. Je intensiver die Trainingsteilnahme, umso größer ist die finanzielle Unterstützung durch den Verein.

Unser Verein hat in diesem Jahr 45 Mannschaften gemeldet. Darunter waren 22 Jugendmannschaften. Die effektive und auch sportliche Trainingsqualität der Tennisschule wird bestätigt durch die vielen Meisterschaften bzw. vorderen Platzierungen. Bemerkenswert ist, dass unsere Damen 1 mit kontinuierlicher Trainingsarbeit innerhalb von fünf Jahren von der untersten Klasse in die Oberliga aufgestiegen sind.

Das alles ist nur möglich, weil der Verein über eine ausgeglichene Mitgliederstruktur verfügt, wie die Abb. 3 zeigt. Die Kinder, die Jugendlichen und die jungen Erwachsen bilden mit der Hälfte aller Mitglieder (48%) die Zukunftsbasis des Vereins. Die übrigen Mitglieder schaffen die finanzielle Grundlage für die zukunftssichernde Förderung der Nachwuchsarbeit.

Weitere Informationen können Sie im Internet unter www.tc-merzig.de nachlesen.

Zusammenfassung:

· Trainer haben eine Schlüsselfunktion.

· Sie sollen überzeugen, begeistern und motivieren.

· Kinder- und Jugendtraining hat Priorität.

· Qualität und Zuverlässigkeit sichern Erfolg.

· Lernerlebnis wichtiger als Lernergebnis.

H. Conrad, Marketing, TC Merzig, 7.1.2005