Tennisaufsätze

Ansprache zur Mitgliederversammlung am 19.11.2004

von Hanfried Conrad

Meine Damen und Herren,

im März 1996 hat mich der damalige 1. Vorsitzende gefragt, ob ich im Vorstand des TC den Arbeitsbereich Marketing übernehmen möchte. Nach einem ca. zweistündigen Gespräch über „Marketing im Verein“, habe ich zugestimmt. Das Gespräch hat unleugbar dem Verein genutzt. Bei meinem ersten Auftreten an dieser Stelle bin ich noch ausgelacht worden über meine geäußerten Zukunftsvisionen.

Mit vielen Ideen, Anregungen und Vorschlägen haben wir den Verein in seiner Entwicklung unterstützt.  

Sehr schnell ist der Verein gewachsen. Die Öffentlichkeit, der STB, die Presse und das Umfeld haben mit Aufmerksamkeit und Skepsis unsere Entwicklung beobachtet. Die außergewöhnliche Mitgliederentwicklung führte dazu, dass der deutsche Tennisbund, gemeinsam mit dem Verband der Tennistrainer uns 1999 nach München eingeladen hat. Mit unserem Vortrag: „Trendwende durch mitgliederorientiertes Denken und Handeln – die Erfolgsgeschichte des TC Merzig“ wurden bundesweit und darüber hinaus bekannt. Die Vorstellung hat bestätigt, dass wir mit unseren Maßnahmen der Zeit voraus waren, denn viele Vereine und Verbände aus ganz Deutschland haben anschließend Unterlagen angefordert. Die Sporthochschule in Köln hat uns gebeten vor den Sportstudenten über „modernes Marketing im Verein“ zu referieren. Zwei Diplomanten wurden uns geschickt, die ihre Diplomarbeit über die Mitgliederentwicklung im Sportverein schreiben sollten.  Der damalige Präsident des DTB, Professor Dr. Karl Weber, war von unserem Verein und seiner Entwicklung so begeistert, dass er uns persönlich besucht hat. Die erneute Einladung zum Bundeskongress im Januar ist erneut ein Hinweis für den Vorbildcharakter unseres Vereins.

Der Verein wählt heute einen neuen, jüngeren Vorstand. Es spricht für die Ausgeglichenheit und die Qualität dieses Vereins, dass in kurzer Zeit sich viele Mitglieder zur ehrenamtlichen Arbeit im Vorstand zur Verfügung stellen.

Zum Schluss möchte ich ein Zitat des Vorstandsvorsitzenden der Fa. Siemens, Heinrich von Pierer, zitieren: „Für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft kommt es entscheidend auf die Einstellung zum Wandel an. Wird er nur widerwillig akzeptiert, ist die Startposition denkbar ungünstig.“ Deshalb richte ich mich an jeden der anwesenden Mitglieder: Helft dem neuen Vorstand, unterstützt ihn, haltet zusammen, denn es lohnt sich diesen Verein auf dem hohen Niveau zu halten und Mitglied in diesem Verein zu sein.

Vielen Dank.

10 Gebote zur Lähmung des Vereinslebens

        Besuche keine Vereinsversammlung.

  • Wenn du kommst, so komme zu spät.
  • Wenn das Wetter schlecht ist, so komme natürlich nicht.
  • Wird eine Versammlung vorbereitet, so erkläre die vorzubereitenden Arbeiten des Vorstandes und der anderen Mitglieder für verkehrt.
  • Nimm nie ein Amt an, da es leichter ist, zu kritisieren als selbst Arbeit zu leisten.
  • Trotzdem sei gekränkt, wenn du zur Mitarbeit im Ausschuss nicht aufgefordert wirst. Ist dies aber der Fall, so gehe nie zu den Sitzungen.
  • Wenn der Vorsitzende um deine Meinung fragt, so sage, du hast nichts zu bemerken. Nachher erzähle allen, wie es hätte gemacht werden müssen.
  • Tue nur das absolut Notwendige, wenn aber andere Mitglieder selbstlos Zeit und Arbeit für die Sache einsetzen, so klage über Cliquenwirtschaft.
  • Bezahle deinen Beitrag möglichst spät oder überhaupt nicht.
  • Kümmere dich möglichst wenig um Werbung neuer Mitglieder. Lass dies andere tun.
  • (Aus dem Mai-Jahnruf 1927 der TG Worms, Quelle: Freiburger Kreis Information 2/1994 S.35)

 

Worin liegt der besondere Zauber des Tennisspieles?

Erich Kästner gibt auf diese Frage die treffende Antwort:

„Tennis ist ein Duell auf Distanz, noch dazu das einzige Beispiel dieser Art. Die Skiläufer kämpfen gegen die Uhr. Die Schwimmer kämpfen nebeneinander. Die Stabhochspringer kämpfen nacheinander. Beim Fußball kämpft man in Rudeln. Die Boxer kämpfen Fuß bei Fuß. Nur die Tennisspieler duellieren sich auf Distanz. Insofern gleicht es, auf anderer Ebene, der Forderung auf Pistolen. Der Wesentliche Unterschied besteht darin, dass man sich nicht abmüht, dahin zu schießen, wo der Gegner steht, sondern möglichst dorthin, wo er nicht steht.“

 In die wahren Feinheiten und Geheimnisse dieses Sports lässt man sich am besten von unserer Tennisschule „Matchball“ unter der Leitung des Sportlehrers und B-Trainers Frank Wagner einweihen.

 

Kein Erfolg ohne Zuverlässigkeit

Zuverlässigkeit ist eine Fähigkeit bzw. Eigenschaft von elementarer Bedeutung für eine erfolgreiche Vorstandsarbeit. So vertraut diese Eigenschaft ist, so selten gibt es Menschen, die sie im umfassenden Sinne befolgen.

Echte Zuverlässigkeit ist schwierig zu finden, weil sie von ihrem Wesen her an der Schnittstelle einer persönlichen Eigenschaft und einer Befähigung angesiedelt ist. Ein zuverlässiger Mensch wird an seiner Einstellung zu seinem Partner und zu seiner Tätigkeit insgesamt beurteilt.

Ein zuverlässiger Mensch:

· Kann sich in die Lage seines Partners versetzen und hat ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen dafür in welche Situation er geraten kann, wenn er die Zusagen nicht oder unvollständig einhält. Er ist sich bewusst wie stark der Erfolg seines Partners von seiner Leistung abhängt.

· Hat ein Empfinden für Ordentlichkeit und hat Freude daran, die bestmögliche Qualität und ein Höchstmaß an Ergebnissicherheit zustande zu bringen.

· Kann Minderleistungen nicht ertragen, weil sie nicht zu seiner Anspruchshaltung passt, die er an sich stellt.

· Ist stolz auf seine eigene Tätigkeit, weil er eine positive Einstellung zum Verein und dessen Leistungsangebot hat.

Es ist sehr schwierig, sich den Ruf echter Zuverlässigkeit zu erwerben, weil es dabei letztendlich um eine „Entweder-oder-Entscheidung“ geht. Eine partielle Zuverlässigkeit gibt es nicht. Die oberste Handlungsregel lautet deshalb: „Konsequente Verlässlichkeit bei allen Aktivitäten und in allen Bereichen der Zusammenarbeit“.

Fehlende Zuverlässigkeit wirkt zerstörerisch. Mangelnde Verlässlichkeit erschwert die Zusammenarbeit, erzeugt Druck beim Partner und zwingt ihn zur Vorsicht.

Zuverlässigkeit ist eine absolute Notwendigkeit, wenn es zu einer erfolgreichen Vorstandsarbeit kommen soll. Sie bietet dem Verein die Chance sich gegen andere Vereine abzuheben und seine Professionalität wirkungsvoll unter Beweis zustellen.

Es muss jedem Mitglied bewusst sein, das seine Zuverlässigkeit schlussendlich auch ihm einen persönlichen Nutzen bringt. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass es das Schicksal schon gut mit den Projekten und Bemühungen meint und man glaubt, die Probleme lösen sich von selbst oder es wird schon irgendwie gut gehen. Letzteres darf nicht zum Glaubenssatz werden.

Vielen Menschen fällt es schwer, ihr eigenes Verhalten richtig einzuschätzen. Deshalb sollte man sich folgenden Fragen stellen:

· Wie viele Auskünfte waren falsch, ungenau?

· Wie viel Zusagen blieben unerfüllt?

· Wie viele übertriebene Versprechungen wurden geliefert?

Selbst Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung und liefert gleichzeitig Ideen für Verbesserungsmaßnahmen. Man erkennt sofort die Schwachstellen und die Ursachen dafür.

Zuverlässigkeit beruht auf:

· Der Kenntnis aller Parameter die Einfluss auf das Gelingen eines Vorhabens besitzen. Man sollt immer daran denken: „Was habe ich vergessen und was muss ich noch tun?“

· Dem Vorstellungsvermögen Engpässe vorherzusehen. Sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, wo mögliche Schwachstellen liegen könnten und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

· Auch bei Nebensächlichkeiten einwandfrei zu handeln.

Nur derjenige, der die Dinge konsequent und entschlossen vorantreibt kann das angestrebte Ziel bzw. Ergebnis innerhalb der gesetzten Zeit erreichen.

Verhaltensregeln zur Erreichung der Zuverlässigkeit können sein:

· So schnell wie möglich beginnen und nicht die Dinge zu lange aufschieben, denn am Ende fehlt die Zeit, die man zum Beginn verbummelt hat.

· Nichts in letzter Sekunde beginnen, denn was auf den letzten Drücker erledigt wird kann nur unvollkommen gelingen.

· Fakten statt Vermutungen sammeln

· Schriftlich statt mündlich wichtige Informationen weitergeben, denn damit werden Missverständnisse und Probleme verhindert.

· Alle Beteiligten informieren die an einem Projekt arbeiten, damit diese durch veraltete oder lückenhafte Informationen keine Fehler begehen.

Zuverlässigkeit ist ein Erfolgsmultiplikator. Deshalb sollte man seinen Partner nicht im Unklaren lassen.

Je länger die Wartezeit, umso ungeduldiger wird der Partner. Ein Zwischenbescheid über den Stand der Dinge ist ein Bewies für die Zuverlässigkeit und schafft Ruhe.

 

Sechs Weisheiten für das Tennisspiel aus dem Munde des ehemaligen Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger:

1. Man ist nur so gut, wie es der Gegner zulässt.

 Oft lässt sich der Gegner im Vorhinein nicht eindeutig definieren. Genau dieser Gegner sorgt für Überraschungen und entscheidet das Ergebnis. Damit konfrontiert zu werden, dass der Gegner besser und intelligenter reagiert, führt zu schmerzlichen Erfahrungen und Konsequenzen. Da gilt es aufmerksam zu sein, das Verhalten des Gegners zu erkennen, Konsequenzen zu ziehen oder viel besser, diese voranzustellen.

2. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Ausruhen auf erreichten Lorbeeren ist riskant. Natürlich soll Erfolg gewürdigt und gefeiert werden. Auch Misserfolg lässt sich bei entsprechender Einsicht in Erfolg umwandeln. „Auch aus Disteln kann man Nektar saugen“. Letztlich geht  es darum, den Blick auf das zu richten, was kommt, und nicht auf das was war. Nur wer sich von Vergangenem schnell löst, wird sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren können.

3. Ein Spiel dauert bis zum Matchball.

Jedes Spiel vollzieht sich in einem begrenzten Rahmen. Das bedeutet für das Bewusstsein: „Jetzt und nicht später“. Wer willens ist kann das als Chance nutzen und zwar jetzt zu handeln, zu entscheiden, zu gestalten so lange das Match noch läuft, denn bis zum Matchball ist noch alles möglich.

4. Jedes Spiel läuft anders.

Der Tennisgott ist nicht immer gerecht und berechenbar. Auch auf die Statistik ist kein Verlass. Glück und Pech mitteln sich aber aus. Man weiß vorher nicht ob das was geschieht gut oder schlecht ist. Vermeintlich positives mag nachträglich unerwartet große Nachteile mit sich bringen und schmerzliche Erfahrungen können sich hilfreich erweisen.

5. Man muss auch verlieren können.

Wo es Sieger gibt, sind auch Verlierer. Klare Verhältnisse herrschen dann, wenn der Verlierer sich als Verlierer und den anderen als Sieger anerkennt. Im Tennis ist das einfacher als im wirklichen Leben. Berufliche Zusammenhänge sind schwieriger, die Regeln unverbindlicher und ihre Anwendung oft widersprüchlich. Es braucht eine Kultur, in der man anständig verlieren kann und darf.

6. Der nächste Gegner ist immer der schwerste.

Der nächste Gegner ist eine Bewährungsprobe dafür, wie man mental, beweglich oder gedanklich ist. Es gibt keine Garantie dafür, dass bisher erfolgreich praktizierte Strategien auch zukünftig funktionieren. Flexibilität bewahren bedeutet: Offenheit um Neues zu lernen, Bescheidenheit um sich mit dem Nichtplanbaren zu arrangieren und Vertrauen um die persönlichen Fähigkeiten zu erkennen. Ob das gelingt?