Fairer Sportsmann

Respekt! Fairness

statt Siegprämie

Sascha Sprenger, SZ vom 10.10.06

Sportlichkeit und Fairness –

zwei Worte, die heutzutage

selbst bei kleinen Wettbe-

werben schnell vergessen wer-

den. Aber es gibt sie, die rühmli-

chen Ausnahmen. So geschehen

bei einem Tennisturnier in Wad-

gassen. Im Herren-Finale dieses

STB-Cups standen sich Karsten

Hardick vom TC Merzig und

Christian Bohnenberger von den

Tennisfreunden Roden gegen-

über. Letzterer hatte zu Beginn

des dritten Satzes das Problem,

über keinen spielbereiten Schlä-

ger mehr zu verfügen, da ihm

die Saiten aller seiner drei Ra-

ckets gerissen waren. Normaler-

weise hieße das: Spiel, Satz und

Sieg für Hardick. Und seien wir

ehrlich: Viele hätten diesen für

sich beansprucht.

Nicht so der Merziger, der

Bohnenberger sofort den Schlä-

ger anbot, mit dem er selbst ge-

rade spielte. Er hätte dann einen

Ersatzschläger genommen. Das

wiederum wollte Bohnenberger

nicht und bestand darauf, wenn

schon, dann mit Hardicks Er-

satzschläger weiterzuspielen.

Längst waren die strikten Ten-

nisregeln außer Kraft gesetzt,

als Hardick ihm auch noch ge-

stattete, bei einem Plausch in

Ruhe ein neues Griffband aufzu-

ziehen. Erst nach einer guten

Viertelstunde ging es weiter.

Das Ende passt zu dieser Ge-

schichte: Hardick verliert den

dritten Satz und damit auch die

dreistellige Siegprämie, die er ei-

gentlich schon in der Tasche

hatte. Doch was er an diesem

Tag gewonnen hat, dürfte ihm

weit mehr wert gewesen sein.