Blick in die Vergangenheit

Ein Blick in die Vergangenheit

Um 1900: Die Saarländer entdecken das Tennis

Um das Jahr 1900 herum wird es wohl gewesen sein, als im Saarland erstmals Tennis gespielt wurde. So jedenfalls ist es in den Annalen des Saarländischen Tennisbundes nachzulesen. Die erste Vereinsgründung ließ nicht lange auf sich warten: 1904 wurde in St. Wendel der erste und damit heute älteste Tennisclub auf saarländischem Boden aus der Taufe gehoben.Genau 50 Jahre später, im Jahr 1954, war es dann auch in Merzig so weit: Der Tennisclub Schwarz-Weiß wurde gegründet. Das heißt aber nicht, dass der Weiße Sport in der Kreisstadt nicht auch schon vorher seine Anhänger hatte. Schon um die Jahrhundertwende fanden sich Mitglieder der renommierten Merziger Casino-Gesellschaft zusammen und übten auf einem Privatplatz zwischen Bahnhof- und Parkstraße – er gehörte dem damaligen Bürgermeister Thiel – ihren noch jungen Sport aus.

Mehrere Fotos belegen, dass es am Kaisergarten Tennisplätze gegeben hat. Als 1928 der Kaisergarten von der Kirchengemeinde St. Peter erworben wurde, zog man um in die Saarwiesen: In der Kastanienallee wurde auf drei Plätzen das Racket geschwungen, bis der neue Lauf der Saar und der Bau des Westwalls das Tennisspielen auch hier unmöglich machten. Aber wenigstens der Platz von Villeroy & Boch am Rotensteiner Weg stand noch zur Verfügung.

1954: Der TC Schwarz-Weiß Merzig wird gegründet

Nach dem Krieg dauerte es bis 1954, ehe der Weiße Sport wieder richtig in die Gänge kam. Am 1. Mai traf sich rund ein Dutzend Tennisfreunde im Hotel Römer und gründete einen Verein. „Der damals festgelegte Name ‚Schwarz-Weiß’ hat sich bis heute gehalten“, sagt Theo Schreiner. Der heute 90-Jährige ist das einzige noch lebende Gründungsmitglied. Leo Jäger senior, Karl Eiserlo, Ernst Weidig und Toni Molter sind weitere Namen, die ihm zur Gründerversammlung einfallen - und Dr. Norbert Brinkmann. Der spätere saarländische Wirtschaftsminister wurde zum Vorsitzenden gewählt und gehörte zu den treibenden Kräften, die den Verein schnell nach vorne brachten.

So nutzte Brinkmann seine Kontakte zur Dillinger Hütte und besorgte eiserne Pfosten, an denen man die Einzäunung des Vereingeländes befestigte. Dies war auf dem heutigen Kirmesplatz, also in Nachbarschaft zur Stadthalle. Direkt daneben lag der Sportplatz für die Fußballer. Und die hatten seinerzeit schon ein eigenes Umkleidegebäude. Natürlich hätten das auch die Tennisspieler gerne genutzt. Der Zugang jedoch war nur vom Sportplatz her möglich. Da kann man sich die Freude im Tennisclub vorstellen, als die Fußballer zum Blättelborn umzogen und mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Gerd Caspar das Häuschen baulich zur anderen Seite hin - nämlich zu den Tennisplätzen – geöffnet wurde. Damit hatte der Verein ein eigenes Clubhaus.

Das war gut so. Denn der Tennisclub hatte einen regen Zulauf. Bereits Ende 1954 waren es 160 Mitglieder. Und das, obwohl der Monatsbeitrag 300 Francs betrug und das damals noch übliche Eintrittsgeld 2 000 Francs. Zum Vergleich: Nur etwa die Hälfte davon legte man seinerzeit für den Führerschein hin. Interessant auch, dass nur aufgenommen wurde, wer einen Bürgen hatte und vom Vorstand anerkannt wurde.

Ab 1958: Adolf Eiserlo lenkt  20 Jahre lang die Geschicke des Vereins

Schon nach wenigen Jahren war die Nachfrage so groß, dass die drei Plätze kaum noch reichten und genaue Spielzeiten für Anfänger und Fortgeschrittene festgelegt werden mussten. „Tennis war damals schon ein richtiger Volkssport“, sagt Adolf Eiserlo. Der heute 74-Jährige nahm 1958 auf Vorschlag seines Vorgängers die Vereinsgeschicke in die Hand und stellte mit Karl Bock erstmals einen Trainer ein. Neben der Quantität stieg also auch die Qualität im Verein. Durch die Teilnahme an großen Turnieren sprach sich der gute Ruf des Merziger Tennis bis nach Luxemburg, Trier und Bitburg herum. Aber auch der Breitensport wurde gefördert. Jugendliche, Familien, Senioren – viele entdeckten damals den Reiz eines Matches und traten dem Verein bei.

So war es nicht verwunderlich, dass Ende der 70-er Jahre die Plätze hinten und vorne nicht mehr ausreichten und Umschau gehalten wurde nach einer neuen Clubanlage. Als idealen Standort sah man die Saarwiesen auf Hilbringer Seite. Mit großzügiger Unterstützung durch Bürgermeister Anton und dank der tatkräftigen Mithilfe vieler Vereinsmitglieder entstand eine Anlage mit fünf Plätzen und einem Clubhaus.

1980: Jürgen Schreier wird Vorsitzender

„Wir sind fast 300 Merziger, die gern Tennis spielen“, schrieb Jürgen Schreier in der Festzeitschrift, die zur offiziellen Eröffnung der neuen Anlage am 27. Juni 1982 erschien. Der heutige Kultusminister war damals Rektor der Merziger Realschule und hatte 1980 die Vereinsführung von Jürgen Weyand übernommen, der Adolf Eiserlo im Jahre 1978 abgelöst hatte. Weiter heißt es in der Festschrift: „Auf das Erreichte sind wir wohl mit Recht ein bisschen stolz. Aber das, was wir gemeinsam geschaffen haben, ist uns Ansporn und Verpflichtung zugleich.“ Und so legte der TC Schwarz-Weiß Merzig damals wie heute besonderen Wert auf eine gezielte und intensive Jugendarbeit. Erfahrene Jugendtrainer wurden engagiert und ein Leistungstraining für die 1. und 2. Jugendmannschaft angesetzt. Daneben wurden frühzeitig Talente gefördert. Im Winter fand das Training in der Halle statt, die 1986 erbaut wurde. Und noch eine Baumaßnahme muss erwähnt werden: 1985 kamen weitere zwei Tennisplätze hinzu, so dass die Anlage dann sieben Plätze umfasste. Boris Becker und Steffi Graf hatten auch in Merzig einen Tennis-Boom ausgelöst, so dass der TC Schwarz-Weiß 1993 482 Mitglieder zählte. Kaum ein anderer Verein im Saarland hatte mehr. Es mussten also noch einmal zwei weitere Plätze angelegt werden.

Seit 1991: Siegfried Eckert führt den Verein

Das geschah schon unter der Ägide von Siegfried Eckert. Der heutige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Merzig-Wadern hatte 1991 Jürgen Schreier beerbt, weil dieser als Abgeordneter in den saarländischen Landtag eingezogen war und sich fortan mit seiner ganzen Kraft der Politik widmete.Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand Eckert mit seinem Vorstandsteam vor einem ganz neuen Problem: Durch die nachlassenden Erfolge der deutschen Spitzenspieler war Tennis Mitte der 90-er Jahre plötzlich kein Selbstläufer mehr. Während viele Vereine diese negative Entwicklung sehr spät erkannten und über starken Mitgliederschwund klagten, reagierte der TC Merzig professionell und erreichte genau das Gegenteil: Kurz vor der Jahrtausendwende zählte der Verein fast 700 Mitglieder und war mit deutlichem Abstand der größte Tennisclub im Saarland. Die Entwicklung löste nicht nur im Saarland, sondern bundesweit Verwunderung aus und immer öfter wurden die Merziger gefragt: Wie macht ihr das bloß?

Auch der saarländische Tennisbund wollte das wissen und sichert sich deshalb seit mehreren Jahren Merziger Erfahrungen bei der Trainerausbildung. Denn auch beim STB hat es sich herumgesprochen: Der TC Schwarz-Weiss Merzig hat die richtige Vereinsphilosophie.

Die Vereinsphilosophie

„Modernes Vereinsmarketing heißt das Zauberwort“, sagt Hanfried Conrad. Er ist einer von mehr als 20 Vorstandsmitgliedern und vor allem für die richtige Vereinphilosophie zuständig. Unter der Überschrift „Wie kann man dem Mitgliederschwund entgegen wirken?“ hat Conrad eine lange Liste mit Ideen zusammengestellt und mit seinen Vorstandskollegen umgesetzt. Denn auch das gehört zum Erfolgsgeheimnis: Jedes Vorstandsmitglied hat ein klar umrissenes Aufgabenfeld, für das er Verantwortung trägt.

Diese Struktur der Vereinsspitze ermöglicht es, den TC Merzig wie ein modernes Dienstleistungsunternehmen zu führen. Der Club pflegt den Tennissport und bietet gleichzeitig ein vielseitiges Angebot an Geselligkeit, ein freiwilliges Miteinander als Ausgleich zur Arbeitswelt durch Bewegung, sportliche Herausforderung, Spaß und Selbsterfahrung in der Gemeinschaft mit anderen. Der Freizeitsport bildet die Basis, der Leistungssport ist das Aushängeschild und Vorbild für die Jugend. Ohne Ausnahme sind alle gleichberechtigt, Privilegien gibt es nicht. Denn die Zufriedenheit der Mitglieder ist der Vereinsführung wichtig. Damit möglichst viele spielen können, wurde die Zahl der Plätze auf elf erhöht. Darüber hinaus wurden 1997 für den Nachwuchs eine Kleinfeldanlage und ein Rasenbolzplatz angelegt. Denn eine funktionierende Jugendarbeit ist das A & O der Vereinsphilosophie.

Schon Grundschulkinder werden zum Schnuppertennis eingeladen und mit viel Geduld an den richtigen Umgang mit der Filzkugel herangeführt. Die eigentliche Talentschmiede aber ist die Tennisschule „Matchball“. Das engagierte und gut ausgebildete Trainerteam um Frank Wagner kann inzwischen auf eine Vielzahl von Spielern und Mannschaften verweisen, die in ihren Klassen hervorragende Erfolge errungen haben. Stellvertretend für all die anderen sei auf die Damen 1 verwiesen, die rechtzeitig zum 50-jährigen Vereinsjubiläum Meister in der Verbandsliga wurden. Dieser Titel krönt eine schier sagenhafte Entwicklung und stellt den größten sportlichen Erfolg der Vereinsgeschichte dar. Fünf Jahre lang war das Team um Trainer Michael Gödert ungeschlagen. Jetzt dürfen Yvonne Linicus, Maike Bastian, Olga Baginski, Joanne Fischer, Kathrin Schmitt, Sarah Eckert, Julia Radosa und Maike Dieterich nächste Saison in der höchsten Klasse, der Oberliga, spielen.

Phantastisch!  Aber auch symptomatisch.

Die Zukunft kann kommen

Denn das Beispiel verdeutlicht, dass der TC Merzig mit seiner Philosophie genau richtig liegt. 30 Prozent der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Konkret heißt das, dass der Verein über mehr Nachwuchs verfügt, als so manch anderer Club überhaupt Mitglieder hat. Die Zukunft kann also kommen, der Tennisclub Schwarz-Weiß Merzig ist gerüstet. Zum Beispiel auch in ökologisch-wirtschaftlicher Hinsicht: Eine Solaranlage zur Heizung des Duschwassers und eine Brunnenbohrung auf dem Vereinsgelände zur Bewässerung der Plätze machen den Club weitgehend unabhängig. Weitblick und Perspektive sind eben Markenzeichen, durch die sich der TC Schwarz-Weiß Merzig von anderen Vereinen abhebt. Ohne deswegen gleich abzuheben. Aber um optimistisch nach vorne schauen zu können.

Ludwig Geiser